Montag, 26. November 2012

Märchenhaftes Musical zur Weihnachtszeit am theaterhagen



(tv58.de / Hans Leicher.) Hagen – Mit einem wahrlich märchenhaften Musical ist das theaterhagen am vergangenen Wochenende in die Vorweihnachtszeit gestartet. 30.000 Menschen aller Generationen werden bis kurz vor Heilig Abend davon verzaubert werden, darunter zahlreiche Schulklassen. Für viele Schulen in der Region steht das Märchen zur Vorweihnachtszeit am theaterhagen seit vielen Jahren auf dem vorweihnachtlichen „Lehrplan“. Jeder Platz im Zuschauerraum wird genutzt, um die vielen erwartungsvollen Gesichter zu begeistern. Selbst direkt vor der Bühne, wo sich sonst der Orchestergraben befindet, wurden noch viele zusätzliche Plätze eingerichtet. Das ist auch notwendig, denn bereits im Vorverkauf wurden die Plätze der Vorstellungen um „Die Prinzessin auf der Erbse“ ebenso gestürmt, wie das Theater selbst vor den einzelnen Vorstellungen.
Gute Chancen auf Karten haben übrigens noch Kurzentschlossene für die Familien-Vorstellungen am 2. Dezember. 

Für den Betrachter ist es schon ein Schauspiel für sich, wenn gerade die jungen Theaterbesucher den Platz vor dem theaterhagen und später den Zuschauerraum mit Leben füllen. „So also sieht ein Theater aus“, wagt man in vielen umblickenden und staunenden Gesichtern zu lesen. Nicht nur bei ihnen: auch bei den begleitenden Eltern und Großeltern spiegelt sich der Glanz in den Augen. Viele von ihnen scheinen selbst an ihre Kindheit erinnert zu werden. „Ich bin selbst zuletzt als Kind bei einem Weihnachtsmärchen hier im Theater gewesen“, erzählt uns eine Mutter kurz bevor die Eröffnungsansage den Theaterraum still werden lässt. Keine Hände zwischen die Klappsitze stecken, keine Ton-, Foto- und Videoaufnahmen (daran kann sich später eine Medienvertreterin offensichtlich nicht halten), Handys aus - heißt es bis dann alle gebannt auf den großen roten Vorhang schauen.

Man scheint es dem Musikalischen Leiter Andres Reukauf anzumerken: er ist froh jetzt endlich am Flügel „Gas geben“ zu können. Zusammen mit der „Band“ dem Publikum das zu schenken, an dem er seit dem Sommer komponiert und arrangiert hat. Viele Monate hat er damit verbracht, die Texte von Werner Hahn in Musik umzusetzen.

Hektisch und turbulent startet das Familien-Musical. Nach seiner Rolle als Jäger im Rambo-Outfit im Märchen des vergangenen Jahres kann Tillmann Schnieders nun wieder den Märchenprinz auf der Hagener Bühne darstellen und singen: Prinz Malte Nils Finn Jannik Sören Jasper, der sich zunächst standhaft weigert zu heiraten. „Ich will nicht erwachsen sein“, spricht er in seiner Rolle vielleicht so manchem Erwachsenen aus der Seele. Trotz des hektischen Einstiegs hat es Andres Reukauf auch diesmal wieder verstanden, das überwiegend junge Publikum nicht zu überfordern. Immer wieder wechseln seine Kompositionen ins Ruhige. Teils erinnern die Melodien an Kinder- oder Volkslieder aber auch die traumhaften Balladen für die Reukauf mittlerweile bekannt ist, lassen nicht auf sich warten. Sie berühren und fließen als Ohrwürmer in das Gedächtnis. Das alles gelingt nicht ohne die entsprechenden Musiker, die musikalisch das vermitteln um was es in der Handlung dieses Stückes geht: die Empfindsamkeit.

Diese Empfindsamkeit spiegelt sich auch in dem wieder, was der Choreograph Ricardo Viviani dem Musical eingehaucht hat. Wenn er sich mit einer solchen Choreographie beschäftige, dann erwache in ihm ein siebenjähriges Kind mit viel Phantasie, hat er uns einmal verraten. Auch in diesem Jahr, scheint das Kind in diesem stets wachen Menschen nicht verloren gegangen zu sein: Die Choreographie überzeugt von der ersten bis zur letzten Minute, und all diese guten Zutaten sorgen auch von Anfang an für Freude, Spaß, Kichern und glanzvolle Augen; nicht nur beim jungen Publikum. Bei allen scheinen die Akteure auf der Bühne das geschafft zu haben, was einen guten Schauspieler ausmacht: das Publikum mit auf die Reise zu nehmen. In diesem Stück auf die Reise in ein Königreich.

War man gerade noch in einem prunkvollen Palast, findet man sich später in einem sprichwörtlich traumhaften Bühnenbild wieder: einer wunderbaren Waldlandschaft, die so real gestaltet und schön gelungen ist, dass man eigentlich selbst aufstehen und dort die spätere Prinzessin Jette besuchen möchte. Die Liebe bis ins kleinste Detail von allen, die seit Monaten hinter der Bühne an dieser Ausstattung gearbeitet haben, wird wiedereinmal eines der Markenzeichen des theaterhagen. Die berührende Reukaufsche Ballade „Wie schön ist dieses Fleckchen Erde“ bringt es auf den Punkt. Es ist sicherlich nicht übertrieben, die Atmosphäre aus Akteuren, Musik, Bühnenbild, Effekten und Beleuchtung als traumhaft zu beschreiben. Und so verfliegen die rund 50 Minuten des ersten Aktes auch wie eine gefühlte Viertel Stunde.

Neben den gleichfalls überzeugenden Ensemble-Mitgliedern ist dem theaterhagen auch insgesamt bei den Gastengagements ein guter Griff gelungen. Alle überzeugen durch Schauspiel, Tanz und Gesang wobei Stefanie Köhm als „Jette“ und Emanuele Pazienza als „Haushofmeister Andersen“ es sogar noch schaffen, dem ein Sahnehäubchen aufzusetzen, was man man von ihnen am theaterhagen bereits aus anderen Produktionen kennt.

Das alles findet später im Finale beim Happy End einen umjubelten und stürmischen Applaus mit vielen „Zugabe“-Rufen. Verdient!

Und wer als Theaterbesucher nur ein Quäntchen Empfindsamkeit besitzt, dem bleibt der Zauber von den Stimmen, der Musik, der Bilder und den leuchtenden Augen um ihn herum noch weit über diese Vorstellung erhalten – vielleicht ein Leben lang.

Die Prinzessin auf der Erbse“
Märchen mit Musik
nach Hans Christian Andersen
von Andres Reukauf und Werner Hahn

bis zum 23.12.2012 am theaterhagen

Infos und Tickets unter www.theater.hagen.de.

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