Dienstag, 24. April 2012

Betrug bei häuslicher Krankenpflege

Ermittlungen der Polizei Köln gegen Betreiber eines ambulanten Pflegedienstes haben heute (24. April) zu Durchsuchungen von sieben Wohnungen und Geschäftsräumen in Köln, Bochum und Berlin geführt.
  Die Leiterin (36) und eine Führungskraft (36) der Kölner 
Niederlassung des Dienstes sowie eine Angestellte (47) stehen im 
Verdacht, in einem großen Ausmaß Betrugshandlungen zum Nachteil 
verschiedener Sozialkassen zu betreiben.

  Der Pflegedienst mit Sitz in Berlin betreut mit seiner Kölner 
Niederlassung cirka 100 Patienten.

  Die Verdächtigen fälschten nach derzeitigen Erkenntnissen seit 
Jahren systematisch und in großem Stil Pflegepläne und Nachweise über
Leistungen an Patienten. Hierzu wurden Angestellte angehalten, 
fiktive Arbeitsnachweise und gefälschte Tourenpläne zu quittieren.

  Die mit Kranken- und Pflegekassen abgerechneten Leistungen wurden 
teilweise gar nicht, oder nur in einem geringeren Umfang erbracht.

  Derzeit wird von einem Schaden im mindestens sechsstelligen 
Eurobereich ausgegangen.

  Kenntnis von den Machenschaften erlangte die Polizei Köln durch 
entsprechende Anzeigen von Angestellten. Die Ermittlungen führt seit 
Oktober letzten Jahres die, beim Kriminalkommissariat 31 
eingerichtete, Ermittlungsgruppe Pflege.

  Bei den heutigen Durchsuchungen wurden umfangreiches Datenmaterial
und Unterlagen sichergestellt.

  Seit Oktober 2011 ermittelt die Polizei Köln ebenfalls gegen einen
anderen ambulanten Pflegedienst in Köln, dessen Geschäftsräume 
seinerzeit bereits durchsucht wurden. Das Vorgehen der hier 
beschuldigten Betreiberin (50) war vergleichbar. Darüber hinaus waren
in diesem Fall auch Patienten in die Vorgänge einbezogen. So stehen 
mehrere Patienten im Verdacht, wissentlich Nachweise mit nicht 
erbrachten oder überhöhten Leistungen gegengezeichnet zu haben. Nach 
derzeitigem Stand der Ermittlungen erhielten sie einen Anteil an den 
zu Unrecht erbrachten Zahlungen der Krankenkassen - durch monatliche 
Geldleistungen von Seiten des Pflegedienstes.

  Die Betreiberin des Pflegedienstes mit cirka 40 beschäftigten 
Personen meldete unmittelbar nach den damaligen Durchsuchungen 
Insolvenz an.

  Nach derzeitigem Stand der Ermittlungen entstand hier allein für 
den Abrechnungszeitraum 2010/2011 ein Schaden in Millionenhöhe zum 
Nachteil verschiedener Krankenkassen.

  Die Ermittlungen wegen banden- und gewerbsmäßigem Betruges und 
Urkundenfälschung dauern in beiden Fällen an. (mö)

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